Das Deutsche in Brasilien

Mittwoch, 31. Juli 2019, 09:52 Uhr

Nach erfolgreichen zwei Tagen geht für uns die Reise weiter in den Süden dieses faszinierenden Landes. Schon vorab wurden wir von Kollegen auf die mögliche Wettersituation hingewiesen. Je weiter wir weg vom Äquator kommen, desto kälter kann und wird es werden. Hatten wir uns in Sao Paulo noch darüber gefreut zumindest eine Jacke dabei zu haben – dort hatte es nachts schon mal 7 Grad – begrüßt uns der brasilianische Süden mit angenehmem Winterwetter: 27 Grad bei strahlendem Sonnenschein: Definitiv der erste Kulturschock.

Im beschaulichen Städtchen Blumenau, das auf eine lange Geschichte zurückblickt und von Deutschen gegründet wurde, rüsten wir uns für die zweite Etappe unserer Reise: zwei weitere Messetage, um IT-Fachkräfte für den Arbeitsstandort Deutschland zu begeistern.

Im Hotel angekommen, in dem die Messe stattfinden soll, beginnen wir sofort mit dem Aufbau. Freudige Ablenkung bietet die Kathedrale direkt vor dem Hotel: Brasilianisch-katholische Gottesdienste scheinen wohl „feierlicher“ zu sein, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Zudem dauern sie deutlich länger.

Auch hier in Blumenau füllen sich die Reihen zusehends. Viele hochinteressante Gespräche schließen sich an. Diesmal allerdings verlegen wir das ein oder andere Gespräch auch an die Kaffeebar, um uns im Laufe der anstrengenden Tage zu stärken. Überrascht sind wir vor allem vom Deutsch einiger Kandidaten. Wir erleben hier sowohl das für die Region typische, an das Hunsrückische angelehnte Deutsch, dass klingt, wie ein Brief der Urgroßeltern, als auch zeitgenössisches Deutsch. Viele KandidatInnen arbeiten für die ansässigen, deutschen Unternehmen für den deutschen Markt.

Der Berg an Lebensläufen wächst weiter und auch hier zeigt sich: LinkedIn ist das Mittel für berufliches Netzwerken in Brasilien.

Besonders freuten wir uns darüber, dass uns ein Kandidat aus dem letzten Jahr eingeladen hat, ihn in seiner Heimat, etwa eine halbe Stunde von Blumenau entfernt, zu besuchen. Dort sei die deutsche Vergangenheit besonders gut erhalten und auch heute noch deutlicher zu sehen.

Und wirklich: vom Dorfplatz, über die Kirche und den Ortsfriedhof bis hin zur lokalen Gastronomie: es wirkt, als hätte man ein westfälisches Dorf kurzerhand zwischen die mit brasilianischem Urwald bewachsenen Hügel gesetzt. Auch finden wir hier immer wieder Menschen, die mit uns Deutsch sprechen möchten.

Wir verabschieden uns von Blumenau und besuchen am letzten Abend die Villa Germanica: den Standort des größten Oktoberfests südlich des Äquators (Merke: nicht des Weißwurstäquators). Bei einem Bier und regionalen Wurstspezialitäten lassen wir die letzten beiden Messetage auf der Terrasse des Bierzeltes ausklingen.

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